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Ägyptische Ausfuhrgenehmigungen für Antiken ausgestellt bis zum Erlass des Antikengesetzes 117 von 1983


Bis 1983 erteilte sowohl das Ägyptische Museum Kairo als auch der Service des Antiquités d'Egypte (S.A.E.) regelmäßig Ausfuhrgenehmigungen. Einen legalen Antikenhandel gab es in Ägypten schon im 19. Jahrhundert [1].


Nachgewiesen sind mehr als 250 offizielle Händler. Auch der Ägyptische Staat hat antike Objekte in seinen Museen verkauft. Es wurden Hunderttausende Objekte bis 1983 veräußert, das allermeiste davon ins Ausland. Darunter große architektonische Objekte und monumentale Skulpturen bis zu kleinen Skarabäen. Alle großen (Paris, New York, Berlin) und kleineren Museen sowie private Sammler haben direkt im Land Altägyptische Antiken erworben. 


Ausfuhrgenehmigungen aus dieser Zeit waren ausschließlich Listen mit Beschreibungen der Objekte, aber niemals mit Fotos [2]. Demzufolge kann man heute, sich außerhalb Ägyptens befindliche Artefakte, generell nicht mehr den alten Ausfuhrgenehmigungen zuordnen. 


Als Begleitdokumente dienten sie nur zur Verzollung der späteren Transporte per Schiff oder Flugzeug und wurden üblicherweise nicht aufbewahrt, denn einen Aufbewahrungsgrund (oder gar eine Aufbewahrungspflicht) gab es nach dem Export aus Ägypten nicht mehr.


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[1] Mosse im Museum • Die Stiftungstätigkeit des Berliner Verlegers Rudolf Mosse (1843−1920) für das Ägyptische Museum Berlin, 2017

Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz,  Seite 59ff. 

“The antiquities trade in Egypt during the time of Rudolf Moses”, Fredrik Norland Hagen and Kim Ryholt.

[2] vgl. Joanna van der Lande - May 17, 2021:  Export Licences from source countries – how useful are they? 

https://culturalpropertynews.org/the-antiquities-trade-a-reflection-on-the-past-25-years-part-1/ 




Deutsche Ausfuhrgenehmigungen nach dem deutschen Gesetz zum Schutz von Kulturgut von 2016

Kulturgutschutzgesetz (KGSG)


Das gesetzliche deutsche Dokument für eine endgültige Ausfuhr in ein Drittland ist dreiteilig 

(Details s.Abb.) 


Es dient als Begleitdokument des Kulturguts beim Zoll zur Abfertigung.

Teil 1 bekommt der Antragsteller (z.B. die Spedition)

Teil 2 bekommt der Eigentümer “Inhaber”

Teil 3 bekommt die ausstellende Behörde

– jeweils nach der Zollabfertigung und dem Transport des Kulturguts in das Bestimmungsland.












Die Aufbewahrungspflicht beträgt 30 Jahre gemäß KGSG. Der Eigentümer des Kulturgutes (Verkäufer) muss sein Exemplar als Nachweis der legalen Ausfuhr solange behalten. Also bekommt der Käufer das Originaldokument der Ausfuhrgenehmigung nicht. Eine Pflicht zur Übergabe einer Kopie der erteilten Ausfuhrgenehmigung an den Käufer besteht gemäß KGSG auch nicht. Dem Käufer genügt in der Regel die bezahlte Rechnung des Verkäufers als Beleg des Eigentumsübergangs.


Es kann also sein, daß irgendwann in der Zukunft — nachdem das jeweilige Kulturgut durch mehrere Handelsstufen gegangen sein mag oder nach einer Vererbung des Objektes — das Wissen um Zeitpunkt und Modalitäten der Ausfuhr aus Deutschland verloren gegangen ist. Ganz in Analogie zu den allermeisten nicht erhalten gebliebenen ägyptischen Ausfuhrgenehmigungen für Kulturgut in privaten und öffentlichen Antikensammlungen. 


Eigenmächtige Auslegung des KGSG durch 

deutsche Behörden 


Aber das Bundeskriminalamt, beauftragt von zuständigen Referaten für die Bearbeitung von Ausfuhranträgen in den Kultusministerien der Länder, verlangt heute genau diese weit mehr als 40 Jahre alten Ausfuhrgenehmigungen (=Zollpapiere) als Beweis für eine legale Ausfuhr aus den Ursprungsländern (in diesem Falle Ägypten). Als Grundlage dafür wird das KGSG benannt. 


Die oben geschilderten Fakten zum legalen Antikenhandel im Ursprungsland Ägypten werden vom BKA und von selbst ernannten Experten, wie z.B. von den Autoren der "Saving Antiquities" Website, unterschlagen.  


Von ihnen wurde der Mythos von ägyptischen Ausfuhrgenehmigungen erschaffen, welche die heutigen Besitzer von Antiken haben müssen, um heute – nach mindestens 40 bis mehr als 100 Jahren – ihre Eigentümerstellung beweisen zu können. Wohlgemerkt basierend auf einem deutschen Gesetz, das erst 2016 erlassen wurde. Andere erhalten gebliebene seriöse Provenienzbelege werden von den Ermittlungsbehörden konsequent ignoriert oder, ohne Beweise vorzulegen, als “Fälschungen” bezeichnet. Eine sehr eigenmächtige Auslegung des KGSG durch das BKA.


Falls keine alten ägyptischen Ausfuhrgenehmigungen bei der Beantragung von Ausfuhren aus Deutschland bei den Kultusministerien der Länder vorgelegt werden können, werden in Zukunft diese Fälle den ägyptischen Behörden gemeldet und Ägypten wird die Artefakte zur "Repatriierung" zurückfordern. Ein “Präzedenzfall” ist bereits eingetreten.


Konsequenterweise müssten demnach alle Antikenerwerbungen, Schenkungen und Leihgaben durch und an deutsche Museen der vergangenen 110 Jahre (bis 1912) überprüft werden, um zu sehen, zu welchen Werken ägyptische Ausfuhrgenehmigungen existieren, die dann von den deutschen Museumsdirektor:innen dem BKA vorzulegen sind. Wenn es keine derartigen Dokumente mehr gibt, müssten die Werke eigentlich entschädigungslos an Ägypten “repatriiert” (restituiert) werden. Da die Wertgrenze bei archäologischen Artefakten 0 Euro ist, gilt die Beweislast der legalen Einfuhr in die Deutsche Bundesrepublik auch für Kleinstobjekte, wie Tonscherben, Glasfragmente etc. 


Den klügsten Beitrag hat in diesem Zusammenhang der ehemalige ägyptische Antikenminister (im Amt zwischen 2014 und 2016) Mamdouh Al-Damaty zur Diskussion geleistet:  


Der ehemalige Minister für Altertümer, Mamdouh Al-Damaty, sagte, dass der Versuch, die ägyptischen Artefakte aus dem Ausland zurückzuholen, nicht im Sinne Ägyptens sei.  Al-Damaty erklärte während eines Seminars in der Mittelmeerstadt Alexandria, dass die Anwesenheit ägyptischer Artefakte im Ausland gut sei, um Ägypten im Ausland zu repräsentieren und als Propaganda (im Sinne von: Werbung) für das Land zu betrachten, insbesondere da mehrere Museen im Ausland nach Ägypten benannt sind. Der Minister sagte, dass diese Artefakte als Botschafter Ägyptens im Ausland fungieren. Was den Diebstahl von Artefakten betrifft, so sagte Al-Damaty, dass es diese Verbrechen seit der Pharaonenzeit gebe. Er fügte hinzu, dass sie zu bestimmten Zeiten legal waren, als die Gesetze die Ausfuhr und den legalen Kauf erlaubten. Zu diesen Zeiten wurden die meisten unserer Artefakte ins Ausland gebracht.” 


 • EGYPTIAN STREETS, 2 MARCH 2017

https://egyptianstreets.com/2017/03/02/attempts-to-retrieve-artifacts-from-abroad-not-in-egypt-favor-former-antiquities-minister/



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